Bahnhof Siegen – Hauptbahnhof der verpassten Anschlüsse – sofortige Nachbesserungen erforderlich

Bericht vom VCD-Siegn-Wittgenstein-Olpe
Neuer Fahrplan, neue Züge. Aus Richtung Köln kommen seit dem 12.12.2010 die Züge der DB Regio Rheinland GmbH, eine private DB-Tochter, von Frankfurt und Gießen die Züge der Hessische Landesbahn GmbH (HLB), ebenfalls eine Privatbahn, bis Siegen.
Seit der Fahrplanumstellung am 12.12.2010 und der Vergabe der Beförderungsleistungen an diese beiden Eisenbahnverkehrsunternehmen gibt es zwischen Köln und Gießen keine durchgehende Verbindung mehr, Siegen ist immer Umsteigebahnhof. Die Länderbahnzeit lässt grüßen, sie endete übrigens 1920 mit Gründung der Deutschen Reichsbahn.
Im Faltblatt der DB Regio Rheinland wird mit abgestimmten Anschlüssen an zentralen Bahnhöfen geworben. In den Fahrplanheften der HLB heißt es unter der Überschrift Attraktive Verbindungen u. a.: So besteht in Siegen Anschluss nach Köln mit kurzer Übergangszeit am selben Bahnsteig. Für die Reisenden sowohl in Richtung Köln als auch in Richtung Gießen ist diese Zeit in Siegen allerdings häufig lang. Zwangsaufenthalte von einer Stunde an Werktagen oder bis zu zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen sind seit dem 12.12.2010 tägliche Realität und leidvolle Erfahrung der Bahnkunden. Oft sehen sie nur noch die Schlusslichter der Anschlusszüge der HLB oder der DB Regio Rheinland.
Für das Umsteigen in Siegen wurden 4 Minuten eingeplant. Die Reisenden haben in diesem Zeitrahmen zwischen den Gleisen 3 und 54 auf dem Mittelbahnsteig 200 – 400 m zurück zu legen. Wenn die Züge den Hauptbahnhof Siegen planmäßig erreichen, ist diese minimale Übergangszeit für viele Reisende so gerade ausreichend. Fast jeder Zug der DB Regio Rheinland GmbH erreicht Siegen aber ein bis drei Minuten später, umgekehrt erreicht etwa nur jeder zweite Zug der HLB den Bahnhof Siegen zu der im Fahrplan angegebenen Ankunftszeit. Nach Lesart der mit dem Zweckverband Westfalen-Süd (NWL) bestehenden Verträge sind beide Verkehrsunternehmen damit allerdings pünktlich, ihnen wurde jeweils eine Toleranz von 3 Minuten eingeräumt. Der Anschluss für die Reisenden ist damit zur vertraglich geplanten Glücksache geworden.
Den verantwortlichen Akteuren und Planern der Zweckverbände und der Eisenbahnverkehrsunternehmen ist die Realität der Siegstrecke nach Köln und der Strecke Siegen – Gießen – Frankfurt seit Jahrzehnten genauestens bekannt. In beiden Relationen, besonders aber auf der Siegstrecke, sind Verspätungen von mindestens einigen Minuten eher häufig, um nicht zu sagen die Regel. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass der regionale Aufgabenträger für den Bahnhof Siegen einer Umsteigezeit von nur 4 Minuten zugestimmt hat. Bei der ehemaligen Bundesbahn waren für Siegen noch mindestens 5 Minuten Zeit für das Umsteigen vorgesehen. Außerdem waren Wartezeiten gängige Praxis.
Nach Auffassung des Verkehrsclub Deutschland e. V. (VCD), Kreisverband Siegen-Wittgenstein-Olpe, haben die beteiligten Verantwortlichen bei den Vorbereitungen des neuen Fahrplans an diesem Punkt kollektiv versagt. Auffallend ist auch, dass zwischen dem Personal der beiden Privatbahnen sowie dem Personal von DB Station & Service während des Haltes in Siegen so gut wie keine Kommunikation stattfindet. Seit einigen Tagen ist nach mehrmaliger Rücksprache eines Vorstandsmitglieds des VCD mit dem Personal der HLB bei dieser Bahn eine positive Veränderung zu bemerken. Das Personal achtet jetzt bewusster auf die ankommenden Züge aus Köln und schöpft häufig die eingeräumte Toleranz von 3 Minuten aus. Als Folge der Verspätung trifft dann allerdings der HLB-Gegenzug, bedingt durch den eingleisigen Giersbergtunnel, 3 Minuten später in Siegen ein. Den planmäßig abfahrenden Zug der DB Regio Rheinland GmbH erreichen diese Reisenden dann nicht mehr.
Waren die Zweckverbände und Bahnen nicht angetreten, Kunden zu gewinnen? Das, was hier täglich mehrfach geschieht, ist unfassbar und Kunden verachtend. Täglich ist zu beobachten, dass die Fahrgäste der ankommenden Züge, ob Alte oder Junge, Gebrechliche oder Sportliche, mit viel und wenig Gepäck, mit kleinen Kindern und Kinderwagen, schnellen Schrittes oder laufend über den Mittelbahnsteig hetzen, um dann vielleicht den Anschlusszug zu erreichen.
Der VCD, Kreisverband Siegen-Wittgenstein-Olpe, fordert die Verantwortlichen, auf der einen Seite die zuständigen Vertreter des Zweckverbandes Westfalen-Süd (ZWS) im NWL und des Rhein-Main-Verkehrsverbundes als Aufgabenträger sowie auf der anderen Seite die Vertreter der DB Regio Rheinland GmbH und der Hessischen Landesbahn GmbH, mit Nachdruck auf, diese für die Reisenden katastrophale und entwürdigende Situation sofort abzustellen.
Mit einem angemessenen Fahrplan muss den Eisenbahnverkehrsunternehmen -und damit den Reisenden- die Möglichkeit eingeräumt werden, den jeweiligen Anschluss herzustellen bzw. zu erreichen. Mindestwartezeiten müssen ab sofort vertraglich geregelt werden. Kurz- und auch langfristig könnte eine Verbesserung dadurch erreicht werden, dass man die Züge der beiden Unternehmen am selben Bahnsteig unmittelbar gegenüber halten lässt, dann würde der weite Umsteigeweg entfallen.
Bei der nächsten Fahrplanänderung sind für Siegen auf jeden Fall längere Übergangszeiten einzuplanen. Nur mit wirklich kundenfreundlichen Maßnahmen können die Aufgabenträger und damit die Bahnen bei den Reisenden verlorenes Vertrauen zurück gewinnen, falls das wirklich gewollt ist (?).